Chloé Kian spricht über Neuanfänge, ihre Liebe zu Vintage und ihr neues Zuhause auf dem Land, wo sie heute einen ruhigeren, beständigeren Rhythmus gefunden hat. Ihr Hintergrund im Film prägt ihren Blick auf Räume ebenso wie ihre Arbeit hinter der Kamera. Und nach Jahren im Ausland richtet sich ihr Fokus wieder stärker auf das, was direkt vor ihrer Haustür liegt.
Interview und Text von Kaira van Wijk.
Chloé's Favoriten
Für Chloé Kian fühlt sich die Rückkehr in die Schweiz ein wenig wie ein Heimkommen zu den eigenen Wurzeln an. Bekannt wurde sie mit ihrem persönlichen YouTube-Kanal, ihrem entspannten, eleganten Stil und den Wellness-Ritualen, die sie offen mit ihrer Community teilt. Nach Jahren in Berlin und später in Kapstadt lebt sie heute wieder dort, wo sie aufgewachsen ist: in einer kleinen Stadt unweit des Genfersees.
Ihr Haar ist zurückgebunden, ihre Haut wirkt frisch, und jedes Mal, wenn sie den Kopf dreht, fangen ihre Ohrringe das Licht ein. Neben ihr liegt Olja, ihr Australian Labradoodle, zusammengerollt und längst eingeschlafen. „Ich wollte schon immer einen Hund“, sagt sie und lächelt. „Aber zuerst brauchte ich den Platz dafür.“
Durch die grossen Fenster fällt der Blick über weiche Grün- und Blautöne bis zu den Bergen und weiter zum See. Die Räume sind lichtdurchflutet. Es ist eine Szenerie, die beinahe wie eine Postkarte aus der Schweiz wirkt – ruhig, weit und ein wenig so, als wäre man ständig in den Ferien.
Das Haus stammt aus den 1970er-Jahren und wurde von verschiedenen Besitzern über die Jahrzehnte immer wieder verändert und renoviert. Es liegt in der französischsprachigen Schweiz. Erst nach ihrer Zeit im Ausland begann Chloé vieles hier neu zu schätzen: dass in einem kleinen Ort verschiedene Generationen aufeinandertreffen, aber auch, dass die Region durch die hier ansässigen Unternehmen international geprägt ist.
„Man kann ein ruhiges Leben führen, ohne sich völlig abgeschottet zu fühlen“, sagt sie. Auch das Gemeinschaftsgefühl gefällt ihr. „Es ist eine ziemlich eng verbundene Gemeinschaft. Das mag ich sehr. Jeder lebt sein eigenes Leben, man respektiert den Freiraum der anderen – aber gleichzeitig ist man füreinander da.“
Nach und nach macht Chloé das Haus zu ihrem eigenen. Ein Prozess, für den sie viel Intuition mitbringt. Gleichzeitig beeinflusst ihr Studium der Filmproduktion die Art, wie sie Räume betrachtet und gestaltet. Sie spricht ruhig, wirkt mühelos elegant und hat ein feines Gespür für Nähe – jene Qualität, auf der auch ihre Arbeit beruht und mit der sie über Jahre hinweg Einblicke in ihr Leben geteilt hat.
Mit dem Leben auf dem Land ist auch ein neuer Wunsch entstanden: sich wieder stärker mit dem unmittelbaren Umfeld zu verbinden. „Ich möchte wieder mehr Kontakt zu der Gemeinschaft hier haben – und zur Natur.“
Wir sprechen mit Chloé über persönlichen Stil, ihre Liebe zu Dingen mit Geschichte, das Einrichten eines Zuhauses und darüber, was es bedeutet, zurückzukehren.
Was gehört zu deiner persönlichen Uniform?
„Ich liebe ein gutes Hemd, eine Vintage-Levi’s, eine bequeme Leinenhose und ein schlichtes weisses T-Shirt oder Tanktop. Das sind die Basics in meinem Kleiderschrank. Dazu kombiniere ich besondere Akzente – Schmuck oder Schuhe zum Beispiel – gerne in etwas ungewöhnlicheren Formen.
Grundsätzlich halte ich meine Garderobe eher neutral, weil ich die Stücke so länger tragen kann. Ich mag auch Oversize-Schnitte sehr. Schon als Kind habe ich die Kleiderschränke meiner Eltern durchstöbert – den meiner Mutter genauso wie den meines Vaters – und daraus meine eigenen Looks zusammengestellt. Mit Kleidung zu experimentieren, egal ob neu oder alt, hat mir schon immer Spass gemacht.“
Wie hat sich dein Stil durch das Leben an verschiedenen Orten verändert?
„In Berlin, wo ich studiert habe, drehte sich für mich alles um Vintage. Ich habe jeden Flohmarkt abgeklappert, und bestimmt 90 Prozent meiner Garderobe waren Secondhand.
In Südafrika wurde mein Stil minimalistischer. Einerseits, weil ich viel aus dem Koffer lebte, andererseits, weil der Lebensstil dort nach etwas Leichterem und Unkomplizierterem verlangte – nach Kleidung, die weniger an Jahreszeiten gebunden ist.
Seit ich wieder in der Schweiz bin, investiere ich stärker in Qualität: gute Naturmaterialien wie Baumwolle, Wolle oder Kaschmir und Stücke, die lange halten. In der Stadt ziehe ich mich tendenziell etwas schicker an. Hier draussen geht es mehr um Bequemlichkeit und Funktionalität – Dinge, mit denen ich im Garten arbeiten oder mit dem Hund spazieren gehen kann.“
Hat deine Liebe zu Vintage in Berlin angefangen?
„Nein, viel früher. Meine Mutter hat ihre Leidenschaft fürs Nähen schon entdeckt, bevor ich geboren wurde. Sie hat viele unserer Kleider selbst gemacht und auf ihren Reisen auch immer wieder besondere Stücke gekauft.
In der Schulzeit habe ich dann angefangen, häufiger Secondhand einzukaufen. Dort, wo ich aufgewachsen bin, gab es nicht besonders viele Läden, und irgendwie trugen alle dasselbe. Das fand ich ein bisschen langweilig. Mich hat interessiert, was es sonst noch gibt.
Diese Haltung findet sich heute auch in meiner Einrichtung wieder.“
Wie zeigt sich das bei dir zu Hause?
„Als wir hier eingezogen sind, hatten wir schon Möbel aus unseren beiden früheren Wohnungen. Dann haben wir uns in diese Vintage-Esszimmerstühle eines Schweizer Designers aus den Sechzigerjahren verliebt.
Ich liebe die handgeflochtenen Details und das Holz mit seiner Patina. Die Stühle sind gut erhalten, aber man sieht ihnen an, dass sie schon ein Leben vor uns hatten. Genau das gefällt mir – bei Kleidung genauso wie bei Möbeln: die Geschichte, die ein Stück mitbringt.“
Was war bei der Renovierung eure grösste Investition?
„Wahrscheinlich die Materialien. In den Schlafzimmern gab es bereits einen Boden in Holzoptik, aber kein echtes Holz. Wir wollten im ganzen Haus einen Boden aus hundert Prozent Holz haben.
Also haben wir den Boden überall erneuert, auch auf dem Treppenabsatz. Das hat unglaublich viel verändert. Ich mag, dass Holz arbeitet – dass es sich bei Wärme ein wenig ausdehnt und bei Kälte wieder zusammenzieht. Wir laufen zu Hause sehr oft barfuss, und da merkt man den Unterschied besonders.“
Du hast an verschiedenen Orten gelebt. War dir das eigene Zuhause schon immer wichtig?
„Ja. Ich habe mich immer um mein Zuhause gekümmert, auch wenn ich nur zur Miete gewohnt habe und gar nicht wusste, wie lange ich bleiben würde.
Ich habe trotzdem eingerichtet und versucht, einen Ort zu schaffen, der sich nach mir anfühlt. Manchmal reicht schon eine Kerze, ein Parfum oder Räucherwerk mit einem ganz bestimmten Duft. Solche Kleinigkeiten können dafür sorgen, dass sich ein Raum fast sofort vertraut anfühlt.“
Wie beeinflusst dein Hintergrund im Film deinen Blick auf Räume?
„Für mich gehen Interior Design und Film ineinander über. Wenn ich einen Raum einrichte, denke ich darüber nach, wie er vor der Kamera aussieht, aber genauso darüber, wie er sich anfühlt, wenn man tatsächlich darin lebt.
Ich hatte schon immer ein Auge für Symmetrie und dafür, wann etwas stimmig wirkt. Jedes Mal, wenn ich an einen neuen Ort ziehe, dauert es eine Weile, bis ich herausgefunden habe, welche Perspektiven funktionieren und wie das Licht fällt.
Einen Raum lerne ich erst richtig kennen, indem ich darin lebe und Dinge ausprobiere.“
Gibt es ein Objekt, das einen Raum für dich besonders prägt?
„Lampen, auf jeden Fall. Dafür gebe ich auch gerne etwas mehr aus. Meine Mutter hat immer gesagt, eine Lampe könne einen Raum genauso verändern wie die richtigen Schuhe ein Outfit.
In meinem Wohnzimmer steht eine Stehlampe von Gubi, die ich schon für meine vorherige Wohnung gekauft habe. Ich bekomme noch immer viele Komplimente dafür. Ihre Form ist ein wenig ungewöhnlich – und genau das macht sie interessant.“
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der bei der Einrichtung ganz von vorne beginnt?
„Hab keine Angst, Dinge auszuprobieren. Ich würde zuerst einen groben Plan machen: Wie viel Platz habe ich? Was ist in diesem Raum am wichtigsten?
In einem Schlafzimmer würde ich zum Beispiel mit dem Bett anfangen und alles Weitere darum herum planen. Zuerst die grossen Möbel, danach die kleinen Dinge.
Wenn die grossen Stücke einmal stehen, sind es die kleineren Elemente, mit denen man einen Raum immer wieder verändern kann. Ein Bett umzustellen ist ein ziemlicher Aufwand. Einen Blumenstrauss oder eine Lampe zu verschieben dauert zwei Minuten.“
Was bedeuten Blumen für dich?
„Ich liebe die von Silkhaus, die bei uns im Eingangsbereich stehen. Viele Leute halten sie für echt. Wenn ich nichts sagen würde, würden sie wahrscheinlich gar nicht merken, dass sie es nicht sind.
Früher konnte ich mit Kunstblumen überhaupt nichts anfangen. Gleichzeitig hat es mich bei frischen Sträussen irgendwann gestört, sie ständig wegwerfen zu müssen. Das hier hat meine Meinung komplett verändert.
Ich habe Lust, weiter damit zu spielen, Sträusse neu zusammenzustellen und mir nach und nach eine kleine Sammlung aufzubauen – mit verschiedenen Blumen, Vasen und Arrangements für unterschiedliche Räume. Sie bringen einfach sofort etwas Lebendiges in einen Raum.
Frische Blumen bedeuten mir trotzdem weiterhin viel. In einer schwierigen Phase meines Lebens habe ich mir oft selbst welche gekauft, einfach um mir den Tag ein bisschen schöner zu machen. Das hat mich sofort aufgeheitert.
Ab und zu bekommen wir eine Gemüsekiste von einem Bauernhof in der Nähe, und direkt daneben gibt es eine Blumenfarm. Unsere Nachbarin ist in dieser Hinsicht inzwischen fast so etwas wie eine Mentorin für mich geworden. Sie kümmert sich um die Blumen, ihr Mann um das Gemüse.“
