Zum Inhalt springen
★★★★★ 4.9/5 · Der Schweizer Online-Shop für luxuriöse Kunstblumen.

Kostenloser Versand ab CHF 149.– | Gratis Retoure

Warum gutes Gastgebersein mit kluger Vorbereitung zu tun hat – nicht mit Perfektion

Warum gutes Gastgebersein mit kluger Vorbereitung zu tun hat – nicht mit Perfektion

Die schweizerisch-kolumbianische Interior Designerin Veronica del Castillo über entspanntes Einladen.

Abseits von starren Trends ist für Creative Director Veronica del Castillo klar: Ein Zuhause entsteht dort, wo Persönlichkeit den Ton angibt. Sie lädt uns ein in ihre Welt – begleitet von einer Playlist, die, wie sie lachend sagt, «Spotify glauben lässt, ich sei über achtzig», einer stets gefüllten Vorratskammer für spontane Gäste und einer angenehm gelassenen Haltung zum Thema Gastgeben.

Von Kaira van Wijk 


Die Anfahrt zu Veronica del Castillos Haus oberhalb des Zürichsees, knapp ausserhalb der Stadt, ist ein langsames Enthüllen. Das spätmodernistische Gebäude zeigt sich Stück für Stück. Bekannt ist Veronica für die warmen, ausgewogenen und fein eklektischen Interieurs, die sie für Audemars-Piguet-Boutiquen in der ganzen Schweiz gestaltet hat, ebenso wie für private Projekte und Designobjekte. Privat nennen sie alle Vero. Seit Kurzem ist sie zudem Mutter von Federico. «Es war ein Jahr des Wachstums», sagt sie mit einem Lächeln. «Ein neues Business, ein neues Baby. Ich habe vieles angestossen – und hoffe, dass es nächstes Jahr blüht.»


Es ist ein grauer Wintertag, die Wolken hängen tief, während sich die Strasse nach oben windet und wir schliesslich über der Nebeldecke ankommen. Das Haus klammert sich wie ein geometrischer Körper an den Hang. Wir betreten einen Innenhof mit terrakottafarbenen Wänden, dann das Haus. Vero streicht ihr tiefschwarzes Haar zurück, schlüpft aus den Loafern und bittet herein. Wir setzen uns auf ein samtiges Sofa vor einer raumhohen Fensterfront. Mit den Stunden lichtet sich der Nebel, gibt den Blick frei auf Garten und See. Das Haus erstreckt sich über vier Etagen, jede mit einer eigenen Perspektive, eingefasst von Glas. «Fast wie ein britisches Townhouse – nur weniger ornamental. Wir sind ja in der Schweiz», sagt sie lachend. Form folgt Funktion. Helle, symmetrische Räume, verbunden durch Holztreppen: eine Etage für die Eltern, eine für die Kinder, eine fürs Arbeiten – und eine ganz dem Einladen gewidmet.


Das wird sofort klar. Man betritt das Haus direkt über die Küche. «Der Vorbesitzer wollte sie verstecken», erzählt Veronica. «Ich wollte sie ins Zentrum rücken. Ich liebe es, Gäste zu empfangen – dieser Raum ist zentral für mein Leben.»

Sie zeigt auf helle Holzflächen, Naturstein, Skizzen für ein kleines Bücherregal und eine Bar, spricht von satten Juwelentönen, von Bordeaux. Gastgeberin zu sein ist für sie keine Geste, sondern Teil ihres Denkens, Gestaltens und Lebens. Zeit, ihr genauer zuzuhören.


Ihr Signature-Apéro?
«Ein Negroni Sbagliato», sagt sie und hebt ihr Glas. «Mit Oliven. Die liebe ich. Keine Vorbereitung, also habe ich sie immer im Vorrat, zusammen mit Sardinen, Anchovis, guter Butter, Brot und Jamón – für spontane Besuche. Im Sommer gibt es Gin Tonic. Frisch, einfach, und man kann wunderbar mit Aromen spielen. In meinem Strandhaus in Kolumbien stelle ich Kräuter und Gewürze bereit, damit sich alle ihren Drink selbst mischen. Das öffnet sofort Gespräche: Was hast du reingetan?»


Gesprächsanlässe entstehen auch am Tisch.
«Weniger durch ein einzelnes Objekt, mehr durch das Arrangement», sagt sie. Besonders liebt sie handgefertigtes kolumbianisches Silberbesteck von Argenta. Kleine Unregelmässigkeiten, schönes Lichtspiel – selbst eine weisse Tischdecke wirkt damit besonders. Dazu kommen opulente, fast barocke Teller aus Kolumbien. «Sie holen mich sofort zurück zu meinen Wurzeln.» Überall auf der Welt sammelt sie zudem indigoblaue Keramik. Reiseerinnerungen, vielseitig kombinierbar, mit Nähe zur Kindheit am Meer. Aktuell entwirft sie eigene Glasobjekte – in Zusammenarbeit mit einem Glasbläser in der Schweiz.

Ein Trend, der verschwinden dürfte?
«Beige. Bitte.» Auch bei neutralen Farben könne sie mit über inszenierten, thematisch überladenen Räumen nichts anfangen. «Ein Zuhause soll bewohnt wirken, nicht wie ein Filmset.» Räume dürfen Geschichten erzählen. «Minimalismus oder Taj Mahal – nichts muss bis zum Extrem getrieben werden. Lasst es atmen.»


Der passende Soundtrack?
«Mein Spotify Wrapped denkt, ich sei achtzig», lacht sie. Alte Salsa, Bolero, dazu zeitgenössische Künstler. Für Dinnerpartys läuft meist Buena Vista Social Club Radio. «Lateinische Musik entspannt sofort. Man kommt an.»


Was macht sie zu einer guten Gastgeberin?
«Mi casa es su casa.» Entscheidend sei, Ablenkungen zu vermeiden. Gerade das Ankommen. «In der Schweiz zieht man die Schuhe aus – ich will nicht, dass Gäste an der Tür herumstehen.» Garderobe, Ablage, alles muss intuitiv funktionieren. Und ganz wichtig: ein Drink steht schon bereit. «Sobald man ein Glas oder eine Olive in der Hand hält, entspannt sich alles. Der Abend beginnt.»


Was ist typisch kolumbianisch an ihrer Art zu empfangen?
Ihre Grossmutter. «Eine starke, sehr direkte Frau. Wir sagen immer: Hätte sie studieren können, wäre sie Präsidentin von Kolumbien geworden.» Praktisch gekleidet, aber nie ohne grossen Schmuck. Grosszügigkeit ist ihr Vermächtnis. «Es ist derselbe Aufwand, für eine Person oder für zweihundert zu kochen. Zu wenig Essen ist das Schlimmste.» Ebenso ein zu kurzes Dinner. «Ein Abend muss sich entfalten.» Nicht zwingend mit mehreren Gängen – auch ein Stehessen funktioniere, wenn sich alle frei fühlen. «Timing ist alles.»


Ihre kontroverseste Gastgeber Meinung?
«Nicht alles muss selbstgemacht sein.» Sie liebt hochwertige Basics, die sie veredelt. Ein guter Kuchen, den sie zusammensetzt. Ein schönes Poulet vom Feinkostladen, zuhause fertig zubereitet. «Es muss nicht von Grund auf selbst gemacht sein, um persönlich zu wirken. Und es macht das Leben deutlich einfacher.»


Und mit Kind – wie bleibt es stilvoll?
«Mein Glastisch ist eine Katastrophe», lacht sie. Materialien müssen berührbar sein, Kanten abgerundet. Bei der Dekoration gibt es zwei Konstanten: Kerzen und Blumen. «Die Kunstblumen von Silkhaus waren für mich ein echter Gamechanger. Federico kann daran ziehen, sie halten alles aus.» Frische Blumen liebt sie weiterhin, aber beides zusammen funktioniert mühelos. «Und ehrlich: Man sieht keinen Unterschied. Es erspart mir auch den letzten Notfallgang in den Blumenladen.

Ein praktischer Renovationstipp für die Schweiz?
«Eine Interior Designerin beiziehen – nicht nur einen Architekten. Jemanden, der die technischen Realitäten kennt und ein gutes Netzwerk hat.» Möbel von Anfang an mitdenken. «Wo steht das Bett, passt der Schrank, kann man sich bewegen?» Oft reichen wenige Beratungsstunden. «Das spart Nerven – und teure Fehler.»


Fünf Gäste für ein imaginäres Dinner?
Sabine Marcelis für ihren Umgang mit Licht und Material. Natalia Criado für zeitgenössischen Silberschmuck. Jorge Lizarazo für die Übersetzung kolumbianischer Handwerkskunst. Rogelio Salmona für seine menschennahe Architektur. Und Fernando Botero – um zu verstehen, wie eine so starke visuelle Sprache entsteht. «Ein Abendessen, gute Gespräche, fliessende Drinks – der perfekte Rahmen.»

Kolumbianisches Silberbesteck von Argenta

Vorherigen Post Nächster Beitrag