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Farbe, Silber, Struktur: Die Interieur-Trends 2026

Farbe, Silber, Struktur: Die Interieur-Trends 2026

Es gibt Trends. Und es gibt Verschiebungen. Solche, die unseren Geschmack neu ausrichten und weit über eine Saison hinaus relevant bleiben. Design stimmt sich heller. Farbe kehrt mit Selbstverständlichkeit zurück, Silber zeigt eine weichere Seite, und vielschichtige Texturen bestimmen die Diskussion. Design-Redaktorin Kaira van Wijk führt durch jene Designmomente, die 2026 prägen werden – ob bei der Gestaltung eines Zuhauses oder beim Inszenieren eines Tisches.

Foto: Styling by Idan Gilony for UY Studio.

Cocktail der Farben

Beige Interieurs, wie man sie lange mit dem belgischen Designer Vincent van Duysen verband, dominierten jahrelang die Feeds. Ruhig, einhüllend, manchmal bewusst stimmungsvoll. Doch wie die Laufstege zuletzt zeigten, ist Farbe zurück – und sie bleibt. In unsicheren Zeiten verschieben sich sowohl Mode als auch Interieur in Richtung Energie. Und genau das brauchen wir.

Stilprägende Namen wie die französisch-amerikanische Designerin Sophie Lou Jacobsen setzen auf milchiges oder juwelenfarbenes Glas mit sanftem Vintage-Unterton. Dieselbe Lust an Farbe zeigt sich bei Colin King, Interiordesigner und Gründer von Beni Rugs. Kräftige Nuancen treffen auf taktile Oberflächen und verleihen Räumen Auftrieb. Wer sich Farbe vorsichtig nähert, beginnt im Kleinen: mit Blumen oder einer einzelnen Wand in kühlem Mint oder einem so zarten Blau, dass es fast als neutral wirkt. Ein Hauch Pigment genügt, um Atmosphäre und Charakter zu schaffen. Auch Kunstblumen können hier selbstverständlich eingesetzt werden – flexibel, langlebig und jederzeit neu arrangierbar.

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Silber, neu gedacht

Silber ist in Interieurs und auf dem Tisch zurück – differenzierter, reduzierter. Nicht hochglänzend oder dekorativ, sondern gebürstet und matt. Edelstahlküchen zeigen sich in ihrer klarsten Form, architektonisch statt industriell. Die Faszination liegt in Präzision und Neutralität.

Diese weichere Haltung setzt sich bei zeitgenössischen Objekten fort. Künstler wie Valentin Loellmann verbinden rohes Metall mit Holz und schaffen Arbeiten, die materialbetont und geerdet wirken. Auf dem Tisch erlebt Vintage-Silberbesteck eine Renaissance – geschätzt für seine Form, nicht für seinen Glanz. Häuser wie Christofle oder Designerinnen wie Charlotte Chesnais denken Besteck skulptural weiter und verwischen die Grenze zwischen Objekt und Schmuck.

Im Eventbereich liefert WE ARE ONA eine stimmige Referenz. Ihre immersiven Dinner integrieren silberne Serviceelemente und reflektierende Flächen, bleiben jedoch durch Kerzenlicht, geschichtete Textilien und üppige Floristik warm. Entscheidend ist der Kontrast. Silber entfaltet seine Wirkung im Zusammenspiel mit Leinen, Glas, Stein, organischen Formen und transparenten Elementen, die ihm Leichtigkeit verleihen.

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Einzelstiel & Skulptur

Wer genau hinsieht, erkennt eine klare Formensprache. Zeitgenössische Floristik wird zunehmend von Silhouette und Abstand bestimmt statt von Fülle. Die einzelne Blüte kehrt zurück. Ein Stiel, bewusst platziert. Oder mehrfach entlang einer langen Tafel wiederholt, in identischen Gefässen und mit gleichem Abstand arrangiert. Die Wirkung ist grafisch und ruhig. Der Negativraum – das bewusste Freilassen von Fläche – gestaltet mit.

Am anderen Ende entstehen nahezu architektonische Bouquets. Dicht, skulptural, als eigenständige Objekte auf Podesten oder vor reduzierten Wänden. Studios wie das Pariser Castor Fleuriste verstehen Blumen als Komposition. Farbe wird ebenso kontrolliert eingesetzt. Monochrome Paletten betonen die Form, feine Farbverläufe erzeugen Spannung – etwa tiefes Violett, das in Weiss und klares Gelb übergeht. Präzise arrangierte Kunstblumen ermöglichen diese Bildsprache dauerhaft und unabhängig von Saison.

Wie verändert eine einzelne Blume die Wirkung eines Raumes? Eine einzelne Blume lenkt den Blick und schafft Fokus. Durch den bewussten Abstand entsteht Ruhe, gleichzeitig Spannung. Der Raum wirkt klarer, strukturierter, fast architektonisch. Wird dieser Ansatz mit hochwertigen Kunstblumen umgesetzt, bleibt die Komposition konstant – Tag für Tag.

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Essen als Mittelpunkt

Essen tritt aus der Küche auf das Podest. In den verspielten Tischlandschaften von Laila Gohar oder den farbintensiven Kompositionen von Imogen Kwok werden Zutaten zum visuellen Material. 

Es braucht keine aufwendigen Inszenierungen. Saisonale Produkte genügen. Zitrusfrüchte tonal gestapelt. Artischocken in einer flachen Schale. Feigen oder Birnen auf gefaltetem Leinen. Mit Intention arrangiert, werden alltägliche Elemente zu Dekor. Sie wirken grosszügig und sinnlich, fördern Austausch und Nähe. In einem definierten Farbkonzept – etwa Tomatenrot – lässt sich diese Nuance in Blumen oder Kunstblumen aufnehmen und subtil weiterführen.

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Modernes Mittelalter

Modern Medieval, auch 'Castlecore' genannt, richtet den Blick zurück. Es romantisiert den Alltag – ein verständlicher Wunsch. Architectural Digest bezeichnete es als «Kreuzzug gegen den modernen Minimalismus». Warme, satte Farbtöne, Bücher, rohe Materialien und weiches, atmosphärisches Licht schaffen Geborgenheit.

Der Ansatz beginnt mit erdigen, mineralischen Farben. Statt hartem Weiss dominieren matte, kreidige Töne, die Licht aufnehmen und Tiefe erzeugen. Patinierter Stein und Holz mit sichtbarer Geschichte verleihen Authentizität. Das Zuhause wird zum Rückzugsort. Ein Ort der Entlastung in einer Zeit permanenter visueller Reize.

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Sinnliche Textilschichten

Dieser Wandel betrifft Farbe ebenso wie Textur. Materialien werden innerhalb einer abgestimmten Palette geschichtet. Feines Glas, fragiles Papier, gewebte Stoffe und organische Formen mildern Architektur und verleihen Präsenz. Die limitierten Glasvasen von Sam Baron für Dior zeigen diese Delikatesse. Textilkünstlerinnen wie Sophie Stone oder Marta Niedbał übersetzen Landschaft in Faser und Relief.

Entscheidend ist das Zusammenspiel der Oberflächen: ein dichter Wollteppich neben einem lackierten Beistelltisch, strohähnliche Geflechte kombiniert mit Mohair im gleichen Farbspektrum. Auch ohne starke Kontraste entsteht so Tiefe und eine sinnliche, gelebte Qualität. Der Fokus auf Handwerk, Prozess und Materialehrlichkeit prägt das zeitgenössische Sammlerdesign – sichtbar etwa beim Loewe Craft Prize oder an der NOMAD 2026.

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Mehr als ein Stil beschreibt die Interieur-Tendenz 2026 ein Bedürfnis nach Räumen, die geschichtet, menschlich und beständig wirken. Räume, die bleiben.

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