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Silkhaus-Mitgründerin Puck Landewé über Kunstblumen als Objets d’art für zu Hause

Silkhaus Co-founder Puck Landewé on Artificial Flowers as Objets d’art for the Home

Ein feiner roter Faden zieht sich durch Puck Landewés Laufbahn: von der Textiltechnik über zwei eigene Unternehmen bis zu Silkhaus, ihrem heutigen Unternehmen. Die Mitgründerin des Berner Unternehmens spricht darüber, warum Kunstblumen eigenständige Designobjekte sind, weshalb Qualität auch eine Frage der Nachhaltigkeit ist und was sie auf ihrem Weg als Unternehmerin gelernt hat.

Interview und Text: Kaira van Wijk

«Erst vor Kurzem ist mir aufgefallen: Hey, eigentlich hat genau hier alles angefangen», sagt Puck lächelnd. «Ich habe in den Niederlanden Textiltechnik studiert, mit einer starken Verbindung zu Mode und Handwerk.» Sie erinnert sich daran, wie sie das Garn von Hand durch die grossen Webmaschinen zog. Dann fügt sie hinzu: «Später habe ich zwei Unternehmen aufgebaut, und jetzt bin ich schon wieder mittendrin. Diesmal geht es um Kunstblumen. Also, wie man sich denken kann: wieder um Textilien und Ästhetik.»


Wir sitzen an einem drückend heissen Zürcher Nachmittag zum Mittagessen im Schatten einer Arkadenterrasse. «Weisst du, eigentlich könnte ich jetzt mit meinem Mann um die Welt reisen. Stattdessen haben wir uns entschieden, unsere Zeit gemeinsam in ein neues Unternehmen zu investieren: Silkhaus.» Sie trägt an diesem Nachmittag ein weit geschnittenes graues Hemd und feinen Goldschmuck, ist ungeschminkt, ihr Haar von Natur aus eisblond. Ich kann sie mir gut auf einem Segelboot mitten auf dem Atlantik vorstellen, in einer anderen Zeitzone als der, in der sie gerade sein sollte. Sie ist viel gereist, hat eine Zeit lang in Rom gelebt und sich immer wieder ausgemalt, wie das Leben aussehen könnte, wenn es nur eine andere Abzweigung genommen hätte. Doch der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen, wurde stärker. «Da ist dieser Drang in mir, etwas zu erschaffen. Etwas Schönes. Und natürlich soll es zugleich ein solides Geschäft sein.»


Seit ich sie im vergangenen Jahr kennengelernt habe, überrascht mich diese Mischung nicht mehr: Puck ist herzlich und lebhaft, zugleich scharfsinnig und sehr genau, wenn es um Details geht. Wir beide sind aus den Niederlanden in die Schweiz gezogen, ich aus Amsterdam, sie ursprünglich aus dem Osten, aus Enschede. Man trifft sie ebenso gut in Jeans, einem ihrer Basics, wie in einem langen Mantel aus Leder oder von Dries Van Noten, einem ihrer Lieblingsdesigner. «Vor allem seine Männerkollektionen finde ich grossartig. Sie sind phänomenal», sagt sie. Die poetischen Farbwelten, die Van Notens Arbeit prägen, klingen leise in den Blumen nach, die sie für Silkhaus auswählt. Beige sucht man dort eher vergeblich.

"In den Niederlanden, wo ich herkomme, und in Skandinavien werden gute Kunstblumen längst als objets d’art wahrgenommen. Als etwas, das man mit derselben Sorgfalt auswählt wie einen schönen Esstisch von Knoll, weil es einem Raum etwas gibt. Nicht als Wegwerfprodukt."

Unternehmertum liegt ihr im Blut. Ihr Vater führte eine eigene Werbeagentur, wünschte sich für seine Tochter aber etwas Sichereres: eine feste Stelle, ein Gehalt, eine sichere Altersvorsorge. «Er weiss, wie es ist, die Rückschläge selbst abzufangen», sagt sie. «In einem Konzern hat man das einfach nicht. Ein eigenes Unternehmen zu führen, ist keine Kleinigkeit. Das kann ich heute sagen, nachdem ich beides erlebt habe. Mehr als einmal.» Ganz nach seinem Plan kam es also nicht. Direkt nach dem Studium gründete Puck ihr eigenes, erfolgreiches Magazin: Prestage, ein unabhängiges Modemagazin, das sie gemeinsam mit einem Fotografen und einer Creative Producerin aufbaute. «Unser allererster Anzeigenkunde war Chanel», sagt sie mit einem Lächeln. «Ich habe Magazine immer auch wegen ihrer Haptik geliebt. Deshalb wollte ich das machen. Es war ganz klar ein Herzensprojekt.» Drei Jahre lang führte sie Prestage, und fast jede Ausgabe wurde mit einem Fest gefeiert. Und es waren richtig gute Feste, wie sie sich erinnert: die Orte, die Drinks, die Freunde, die alles gemeinsam auf die Beine stellten. Dann wurde sie für eine Stelle in einem Konzern abgeworben und fand, es sei an der Zeit, auch das einmal auszuprobieren.


Auf die Frage, was sie am eigenen Unternehmen besonders liebt, kommt die Antwort sofort: «Ich will bei allem mitreden», sagt sie lachend. Vielleicht passt das Unternehmertum genau deshalb so gut zu ihr: Sie kann viele verschiedene Rollen übernehmen. Sie hält kurz inne und ergänzt dann sachlicher: «Wenn ich eine Idee habe, möchte ich nicht, dass sofort jemand mit Daten kommt, um sie infrage zu stellen. Ich verlasse mich auf meine Intuition, und ich glaube, das ist enorm wichtig. Aus der Vergangenheit lässt sich die Zukunft nicht zuverlässig vorhersagen. Also muss man seinem Bauchgefühl vertrauen.» Dann fügt sie hinzu: «Einem Künstler sagt man schliesslich auch nicht, wo er den nächsten Strich setzen soll.»


In der Zusammenarbeit mit zwei männlichen Mitgründern musste sie auch dafür einstehen, welche Arbeitsweise für sie funktioniert. «Die beiden stehen um sechs Uhr auf, hetzen durch den Arbeitsweg und legen im Büro jeden Tag sofort mit voller Kraft los. Ich muss es manchmal etwas langsamer angehen», sagt Puck. Sie braucht Raum, damit Ideen zu ihren eigenen Bedingungen auftauchen können, oft bei einem Spaziergang allein, bevor irgendetwas anderes beginnt. Darin liegt für sie auch ein Grund, weshalb Männer und Frauen in einem Gründerteam so gut zusammenarbeiten können. «Ich möchte nicht zu sehr verallgemeinern. Aber ich glaube schon, dass Unternehmerinnen manchmal dazu neigen, sich zu lange mit kleinen Dingen aufzuhalten. Einen ganzen Tag lang Instagram-Stories machen, zum Beispiel, obwohl eigentlich grosse Schritte nötig wären. Nicht drei Blumen im Lager, sondern Tausende. Das ist ein Risiko, ja. Aber no guts, no glory. Genau darum geht es beim Unternehmertum.»

"Ich verlasse mich auf meine Intuition, und ich glaube, das ist enorm wichtig. Aus der Vergangenheit lässt sich die Zukunft nicht zuverlässig vorhersagen. Also muss man seinem Bauchgefühl vertrauen."

Unser Hauptgang kommt, ein vietnamesisches Bún Chả mit vielen Kräutern, und für einen Moment hält sie inne. «Ich hatte auch ein Unternehmen, eine Plattform, die Frauen beim Investieren stärken sollte. Aber ehrlich gesagt spreche ich lieber über die schönen Dinge im Leben», sagt sie. «Kunst, Freundschaften, Reisen. Um Himmels willen, nicht über Geld. Das Geld soll für sich selbst arbeiten, dafür gibt es kluges Investieren. Dann kann man sich auf das konzentrieren, worum es wirklich geht: leben


Genau diesen Instinkt – für Schönheit, für das, was richtig aussieht und sich richtig anfühlt – bringt sie heute bei Silkhaus ein: in die Gestaltung, das Styling, den Blick für einen Raum. Damit ist sie ebenfalls aufgewachsen. Ihr Vater sammelt bis heute leidenschaftlich Kunst, vor allem niederländische Moderne und Expressionismus; Karel Appel gehört zu den Namen an seinen Wänden. Er malt auch selbst. «Einige seiner Bilder sind wirklich wunderschön», sagt sie stolz.


Silkhaus ist inzwischen fast ein Jahr alt und verlangt ihr ganz neue Fähigkeiten ab. Sie ist gut darin geworden, dranzubleiben, auch wenn die mentale Belastung und die Unsicherheit nichts für schwache Nerven sind. Trotzdem ist sie genau dort, wo sie sein möchte.


«Das grösste Problem», sagt sie, «ist das Image von Kunstblumen in der Schweiz. In den Niederlanden, wo ich herkomme, und in Skandinavien werden gute Kunstblumen längst als objets d’art wahrgenommen. Als etwas, das man mit derselben Sorgfalt auswählt wie einen schönen Esstisch von Knoll, weil es einem Raum etwas gibt. Nicht als Wegwerfprodukt.» Wie in der Mode gehe es vor allem um Qualität und Marke. «Es gibt H&M, und es gibt Prada. Bei Kunstblumen ist es nicht anders. Silkhaus kann man sich wie eine Net-a-Porter-Garderobe vorstellen: Es gibt verschiedene hochwertige Marken, aus denen man wählen kann.» In der Schweiz sei diese Wahrnehmung noch nicht ganz angekommen. «Viele denken an billige Plastikblumen. Wir müssen erst einmal erklären, was wir mit hochwertigen, stilvollen Kunstblumen meinen.» Am Ende gehe es um Vertrauen, sagt sie. «Deshalb glaube ich so sehr an Storytelling. Und an die menschliche Note. An echte Kuration.»


Beim Thema Nachhaltigkeit achtet sie darauf, nicht zu viel zu versprechen. «Kunstblumen lösen natürlich nicht alle Probleme. Auch sie müssen hergestellt werden.» Was sie stört, ist der rastlose Kreislauf der Schnittblumenindustrie. Rund 90 Prozent der in der Schweiz verkauften Blumen werden importiert, sagt sie, viele davon über die Niederlande – den weltweit grössten Exporteur und einen wichtigen Umschlagplatz auch für Blumen, die anderswo angebaut wurden. Ob sie in energieintensiven Gewächshäusern kultiviert oder aus weiter entfernten Ländern eingeflogen werden: Frische Blumen können im Anbau erhebliche Mengen Wasser und Energie benötigen. Danach müssen sie schnell und oft gekühlt transportiert werden, damit sie ihre kurze Reise überstehen. Sie kommen bei uns zu Hause an, verwelken wenige Tage später und werden entsorgt. Dann beginnt alles wieder von vorn. «Es ist eine Verschwendung», sagt Puck. «Was machen wir da eigentlich?» Ihr Argument lautet deshalb nicht, Kunstblumen seien automatisch nachhaltig. Entscheidend ist, dass sie lange im Einsatz bleiben. «Die Nachhaltigkeit liegt vor allem darin, dass man die Blumen immer wieder verwenden kann. Ein Hemd wirft man schliesslich auch nicht nach einmaligem Tragen weg.»


Diesen Winter eröffnet Silkhaus einen eigenen Showroom. Puck spricht sofort lebhafter: «Ein versteckter Ort, der sich in dem Moment, in dem man ihn betritt, wie eine echte High-End-Fashion-Boutique anfühlt – nur eben voller Blumen.» Der Raum unterstreicht die Idee der Blume als bewusst gewähltes Objekt, nicht als beiläufige Dekoration.


Am Ende ist vieles eine Frage des persönlichen Geschmacks. «Ich nehme jede Kunstblume selbst in die Hand, bevor sie in unsere Kollektion kommt», sagt sie. «Ich beurteile sie mit meinen eigenen Sinnen: mit den Augen und über die Haptik.» Ihr grosser Wunsch klingt beinahe häuslich. «Mein Traum ist, dass in jedem Schweizer Haushalt Blumen von uns stehen», sagt sie. «So, wie hier fast alle ein USM-Sideboard haben.»

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